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Die wahre Geschichte vom ungestiefelten Kater

 

von Torsten Nicolai

 

Ich war noch sehr klein als ich im Tierheim wohnte- in einem extra für uns gebautem Katzenhaus. Die Pfleger kümmerten sich rührend um uns und wir mussten niemals Hunger leiden. Es war schön hier und ich hatte viele Freunde- ja aber da waren auch andere Katzen, die mich wegen meinem schneeweißen Fell hänselten. Die waren mir aber egal. Trotzdem ich so gerne hier lebte, hatte ich hin und wieder ein Herz- und Magendrücken- ein Gefühl, dass ich einfach nicht ergründen konnte.

 

Eines Tages kam wie so oft ein kleines Mädchen mit seinen Eltern zu Besuch. Sie sahen aufmerksam in unser Katzenhaus und gingen dann wieder. Eine kurze Zeit später kam unser Katzenpfleger ins Gehege, nahm meinen Freund Max auf den Arm und sagte: „So mein Freund, heute ist dein Glückstag. Eine Familie wird dich zu sich nehmen.“

 

Alle Anderen freuten sich mit Mäxchen und ich . . . . . .ich bekam wieder dieses seltsame Gefühl und dachte, wie wird es wohl sein, wenn man einen Mensch für sich ganz allein hat. Würde er mich streicheln, wenn ich mauze, würde er mir reichlich zu essen geben? So schlief ich sanft ein, so dass das seltsame Gefühl verflog.

 

Es war Advent und Alle freuten sich aufs Weihnachtsfest. Viele Menschen brachte Spenden für uns ins Tierheim, wie es Viele zur Weihnachtszeit tuen.

 

An einem Samstag morgen- es war der 3. Advent- kam ich voller Schnee aus dem Freigehege ins Katzenhaus. Da sah ich zwei sehr nette Augen durch das Fenster blicken die mich – wohin ich auch lief – ständig verfolgten. Erst suchte ich nach einem Versteck aber dann dachte ich, es könne ja nicht schaden, wenn man sich die Augen etwas näher betrachten würde und lief zum Fenster. Ich sah die Augen an. Sie gehörten einem jungen Mann, der mir einer hübschen Frau hinter der Scheibe stand und mich aufmerksam musterte. Und nun- da war wieder dieses Gefühl, dass ich so seltsam fand. Plötzlich ohh Schreck- da packte mich Jemand von hinten. Es war unser Katzenpfleger der mich hoch hob und sprach: „Machs gut mein Freund- ich werde Dich vermissen“. Vermissen????? wie, was, warum vermissen?

 

Da schoß es mir durch den Kopf- klar, ich werde adoptiert!!! Ich wusste nicht was ich denken sollte. Wie wird es werden? Schön oder muss ich Angst haben?

 

Meine Frage bekamen als bald eine Antwort. Ich war nun nicht mehr nur ein Kater, sonder ehr der Familien- König. Ich lebte ab jetzt in einem großen Haus mit einem schönen Garten zusammen mit einem Hündchen und zwei sooooo lieben Menschen. Es gab Spielzeug, die schönsten Leckerbissen, ausgiebige Streicheleinheiten und die kleine Luna wurde meine beste Hundefreundin.

 

Es wurde Frühjahr und wir konnten endlich wieder lange im Garten toben oder faul in der Sonne liegen. Von Tag zu Tag wurde es wärmer und bald schon war der Sommer da. Im Garten stand ein kleiner Pool, der zum baden einlud.

 

Meine beiden Menschen saßen am Tisch und überlegten, wo es wohl in diesem Jahr im Urlaub hinginge. Ohh ich war gespannt, denn ich hatte mein ganzes Leben noch nie eine Reise gemacht.

 

Jedoch hatte ich mich zu früh gefreut, denn Luna sagte: „Ich komme im Urlaub wieder zu Tante Elvira, da bin ich jedes Jahr und Du? Wo bringen sie dich hin?“

Mir stockte der Atem. Sollte ich allein bleiben? Ohne Essen, ohne Luna und wer würde mich streicheln?

 

Ein paar Tage später saß ich in meiner Katzenbox und hörte das mir sehr bekannte Brummen unseres Autos. Wir fuhren und fuhren, länger als eine Stunde übers Land. Als wir endlich ausstiegen, vernahm ich einen sehr bekannten Geruch. Langsam krabbelte ich aus meiner Box und sah mich um. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war in meinem . . . . . .Katzenhaus im Tierheim. Und plötzlich war es wieder da, das Gefühl, dass ich schon fast vergessen hatte. Was hatte ich getan? War ich böse oder zu laut? Oder gefiel ich ihnen nicht mehr, weil ich ein schneeweißes Fell hatte?

 

Ich hörte, wie sie gingen und vernahm das Brummen, dass immer leiser wurde. Ich ging in meine vertraute Ecke und versuchte ein wenig zu schlafen. Da kam der Dicke Felix angetrottet und sagte mit kräftiger Stimme: „Dieser Platz gehört jetzt mir!“ Sofort war mir klar- willkommen war ich auch hier nicht mehr. Ich legte mich neben der Tür auf den Fußboden. Diesen Platz würde mir Niemand streitig machen, weil er hart und ungemütlich ist.

 

Am nächsten Morgen kam der Katzenpfleger ins Katzenhaus um sauber zu machen. Als er eingetreten war, stand die Tür für einen kleinen Moment offen, so wie die Tür bei uns zu Haus, wo ich hindurch jeden Morgen in den Garten ging.

 

Da kam mir ein Gedanke in den Sinn: Ich konnte ja auch auf eine Reise gehen- die Tür stand ja offen. Und ehe der Pfleger es bemerkte schwuppte ich durch den Türspalt auf den Hof und hops- mit einem Satz auf den Zaunpfahl.

 

Hinter dem Tierheim begann ein kleines Wäldchen. Es gab hohes Gras, Schmetterlinge und was war das? Etwas huschte zack, zack ein zwei drei vorbei. Ich sprang nach vorn und zack hatte ich ein kleines Mäuschen in der Hand.

 

Ich fragte das Mäuschen: „weist du wo es zu mir nach Haus geht?“ „Hier im Wald ist doch das zu Haus“ antwortet das Mäuschen ängstlich. „Dann geh nur in deinen Wald ohne Spielzeug, ohne Pool und ohne Leckerbissen“ sagte ich und lies das Mäuschen frei.

 

Hinter dem Wald war ein See. Als ich am Ufer entlang lief, begegnete ich einer Katzendame. „weist du wo mein zu Hause ist?“ fragte ich sie. „Da drüben- auf der anderen Seite der Straße steht ein altes Haus, in dem Niemand mehr wohnt. Dort ist mein zu Haus mit vielen anderen Katzen, die kein Mensch haben will. Wenn du willst komm mit mir. Für Einen mehr wird das Futter ja auch noch reichen das uns der Koch vom Wirtshaus neben an jeden Abend hinstellt“. Ich hatte Hunger und ich war müde. Also ging ich mit.

 

An der anderen Seite des Sees war eine große Wiese. Es hatte in diesem Sommer viel geregnet. Das Gras stand hoch und bot ein gutes Versteck. Plötzlich vernahm ich ein Schmatzen und Summen von Fliegen. Ich sprang auf einen Maulwurfshügel und sah gleich neben mir zwei dicke braune Pferdchen stehen, die vom frischen Gras kosteten. „Wisst ihr wo mein zu Hause ist?“ fragte ich. Eines der beiden antwortete: „Wir wohnen da vorn beim Bauern. Er sorgt sich um uns, er striegelt uns täglich, bringt uns auf die Weide und manchmal dürfen wir den Pferdewagen ziehen, aber dazu bist Du zu klein. Geh doch da drüben zu den Menschen. Die haben Katzen gern. Vielleicht findest Du ja dort ein zu Hause.“

 

Und tatsächlich, gegenüber der Wiese standen Häuser in denen Menschen wohnten und auch Hunde und Katzen. Ich musste doch mal sehen, ob sich dort nicht ein Plätzchen für mich finden ließe.

 

In der Zwischenzeit hatten die Leute im Tierheim bemerkt, dass ich auf Reisen war. Sie suchten die Gegend ab und verteilten Zettel mit einem Bild von mir. Auch riefen sie meine Menschen an, die noch auf der Urlaubsreise waren. Sie packten sofort ihre Sachen und fuhren heim. Tagelang suchten Sie mich, fragte die Leute, klebten Bilder an Bäumen und riefen meinen Namen. Leider konnte ich sie nicht hören, denn ich war schon viel zu weit vom Tierheim weg gelaufen.

 

So vergingen vier lange Wochen und mein Hunger wurde immer größer. Eines Tages lief ich durch den Garten eines der Häuser gegenüber der Wiese. Da saß auf der Terrasse ein Mann in der Sonne, der gerade einen großen Schluck aus einem Bierglas nahm. Ich setze mich an den Zaun und sah ihn an. Im Gras saßen drei Kätzchen und ein großer weißer Hund lag faul neben seinem Herrchen. Es roch nach Katzenfutter. Mir knurrte der Magen. Plötzlich stand ein großer schwarzer Kater vor mir, fauchte mich an und zeigte seine Zähne. Vor schreck rannte ich was das Zeug hielt zurück in die Wiese.

 

Ein paar Tage später- ich war des Reisens schon müde- lag ich in meiner Wiese um mich auszuruhen. Der Hunger hatte mich schwach gemacht. Plötzlich erschrak ich, als mich eine große weiße Hundeschnauze berührte. Ich sprang mit letzter Kraft hoch, rannte zu einem Baum und kletterte in die Krone. "Glück gehabt" dachte ich und war froh, dass der Hund mit seinem Herrchen ihrer Wege gingen. Doch dann überlegte ich: War das nicht der Mann. . . . ? Jaaaa. Der konnte doch nicht böse sein und eigentlich der Hund auch nicht, denn bei ihm lebten doch Katzen.

 

Am Wochenende ging ich zum See um Wasser zu trinken. Ich trottelte durch die Gärten der Menschen ans Wasser und wieder zurück. Da waren zwei Leute in einem Garten, die sich lieb und sehr nett unterhielten. Ich lief zu ihnen, mauzte sie an und legte mich auf Ihre Gartenschaukel.

Vielleicht hatte ich vor Hunger zu laut geknurrt, denn die Frau holte ein paar Wurststücken aus dem Häuschen und stellte sie mir genau vor die Nase. Auf so eine Einladung hatte wochenlang gewartet. Die beiden berieten, was sie nun mit mir tuen wollten. Sollte ich bei ihnen bleiben oder würden sie mich wieder ins Tierheim bringen. Auch das war mir inzwischen recht.

 

Die Frau verschwand für einen Augenblick und dann kam sie wieder – mit einem Mann- mit dem Mann, bei dem Hund und Katz zu Hause waren. Nun hatte ich auch keine Angst mehr. Er hielt mir ein großen Fotoapparat vors Näschen und knipste mich von allen Seiten. Ich schien ihm zu gefallen. Oh – ich ein berühmter Kater- das würde mir schon gefallen. Der Mann schickte die Bilder durch das Internet in die weite Welt hinaus, sodass sehr viele Leute mich sehen konnten. Nun war ich am Ziel meiner Träume. Ich war der berühmteste Kater der Welt- na ja vielleicht auch nur des Landes.

 

Eine hübsche Frau brachte mir Katzenleckerbissen und richtiges Katzenfutter. Ich musste so Einiges nachholen und so fraß ich wie ein ausgewachsener Löwe. Dann legte ich mich zu Ruhe und schnurrte so laut, dass es im ganzen Dorf zu hören war- glaub` ich. Im Schlummerschlaf konnte ich die Vögel singen, den Wind in den Bäumen hören und ein Telefon klingelte – zwei Leute unterhielten sich und die Stimme im Telefon klang wie- wie? Was? Nein- das konnte nicht sein- mein Frauchen wohnte hundert Kilometer weg von hier. Aber es klang wie ihre Stimme.

Ich dachte, warum sollte sie mich suchen, sie hatte mich doch ins Tierheim zurück gebracht. Aber dann, eine kurze Zeit später vernahm ich ein Brummen- das selbe Brummen, das mir so vertraut war und als ich mit gespitzten Ohren zur Gartenpforte sah, konnte ich nicht glauben, was ich sah.

 

Mit einem einzigen Satz sprang ich meinem Herrchen auf den Arm. „Wir haben dich überall gesucht, wir waren traurig und so unglücklich weil wir dich nicht finden konnten.“ sagte mein Frauchen mit zitternder Stimme, „Doch dann sahen wir dein Bild im Internet und sind sofort hier her gefahren.“ Alle waren sie da, Herrchen, Frauchen und selbst Luna. Dieses mal ging ich freiwillig und ohne Angst in meine Katzenbox. Ich wusste, sie würden mich nicht wieder ins Tierheim bringen und außerdem war ich seeeeeehhhhhhr müde. Als ich im Auto einschlief hörte ich wie mein Frauchen sagte: „Wir werden Dich nie wieder weggeben und nie wieder ohne Dich in den Urlaub fahren.“

Ja- dachte ich- allein macht reisen auch keinen Spass- das könnt ihr mir ruhig glauben.

 

 

 

Achso- ihr denkt sicher, das ist einfach nur eine Geschichte oder? Nein. . .mein Herrchen, mein Frauchen, den Hund Luna, den Mann Torte mit dem weißen Hund Charlie, die drei Katzen Gibson, Fender und Pearl, die Frau mit dem schönen Namen Monalizzy, die mir zu Essen gab, die beiden netten Leute Sylvie und Jürgen, die Pferde vom Bauern Gerald, das alte Haus in dem Katzen wohnen und die Wirtschaft neben an, sowie das Tierheim, den See, das Wäldchen und die Wiese und natürlich mich, den kleinen weißen Kater Kiwi gibt es wirklich - und die Geschichte?

 

Ja die gab es auch- im Sommer 2017 in Marienthal.

 

 

 

 

Der Schneegesell

von Torsten Nicolai

 

Der letzte Monat im Jahr hatte schon begonnen und auch der Nikolaus war schon da. Überall bereitete man sich auf das Weihnachtsfest vor. In den Geschäften der kleinen Stadt glitzerten winzige Lichter und funkelten glänzendes Papier und bunte Kugeln.

 

Als die kleine Anna aus dem Kindergarten kam, hatte sie etwas ganz besonderes in ihrem Rucksack, denn heute war Basteltag. Es gab ein ganz besonderes Papier, so ein glitzerndes, so als hätte man tausende kleine Edelsteinchen wie Puder in den verschiedensten Farben auf einen Bogen gestreut. Es gab Papier in Blau, in Pink, in grün und sogar in gold und silber. Daraus hatte die kleine Anna einen lustigen Weihnachtsmann, eine kleine Eule und einen silberglitzernden Schneemann gebastelt, denn sie liebte Schneemänner. Sie nahm die drei Gesellen und stellte sie nebeneinander auf ihr Fensterbrett und als sie die kleine Lichterkette anschaltete, strahlten die Drei in einem wunderschönen Glanz.

 

 

Am Nachmittag sah die kleine Anna aus dem Fenster, über den Vorgartenzaun hinaus auf die Straße. Die kahlen Bäume hatten nur noch einige wenige kleine vertrocknete Blätter. Leute eilten vorbei und die kleine Straßenlaterne schaltete ihr Licht ein.

Die kleine Anna seufzte:“für ein schönes Weihnachtsfest wünschte ich mir noch ein wenig Schnee, sodass wir Kinder rodeln können und einen Schneemann bauen.

 

Plötzlich schien es so, als würde ihr kleiner Schneemann auf dem Fensterbrett mit einem Auge gezwinkert haben. Sicher hatte sie sich nur getäuscht, denn er war ja aus Papier.

 

Es wurde schnell dunkel wie es im Winter eben so ist und als sie wieder aus dem Fenster schaute, sah sie im Laternenschein ein paar glitzernde Pünktchen tanzen- erst ganz ganz kleine und einige wenige und dann wurden es immer mehr und sie wurden immer größer und nur eine Stunde später war der Garten und die Straße schon zuckerweiß.

An diesem Abend ging sie wie immer brav ins Bettchen, ließ sich eine Gutenachtgeschichte erzählen und schlief ein. In ihren Traum tanzten ihre drei Gesellen nach einer wunderschönen Musik auf dem Fensterbrett- der Weihnachtsmann, die Eule und auch der Schneemann. „Wie kann das sein?“ fragte sie sich und es war, als wäre es kein Traum, sondern wirklich wahr. „was ist das?“ Plötzlich erschien eine wunderschöne Frau mitten in ihren Zimmer. Sie hatte ein wunderschönes Kleid an- so aus glänzendem bläulich- und silbernem Stoffen und ihr Gesicht glitzerte wie Eiskristalle. „Hab keine Angst“ sagte sie „Ich bin die Eisfee“ sie hatte eine sooooo freundliche Stimme, als würde sie nur Gutes im Herzen tragen. Sie erhob ihre Hand und kleine silbern leuchtende Fünkchen verbreiteten sich sanft über die drei Gesellen auf dem Fensterbrett. Sie sprach: “Vielleicht ist dein Traum gar kein Traum- und nun schlaf weiter- morgen wird ein wunderschöner Tag“. Sie verschwand so schnell als wie sie gekommen war.

 

 

Am nächsten Morgen- es war Wochenende- lief sie gleich zum Fenster. Die ganze Welt war tiiief verschneit. Anna konnte es gar nicht erwarten endlich raus zu dürfen und nach dem Frühstück lief sie in den Garten und baute einen Schneemann aus dem ersten Schnee. Er sah sehr lustig aus- mit der alten Mütze von Vati und dem Schal, den Omi schon lange nicht mehr trug. Sie sagte zu ihm: „Du sollst mein Freund sein und in unserem Vorgarten stehen- du sollst auf mich aufpassen, sodass mir nichts bösen geschehen kann“.

 

 

 

 

 

 

Abends schaute sie sich ihren Schneemann vom Fenster aus an. Er glitzerte im Licht der Straßenlaterne, ganz so wie der, den sie gebastelt hatte.

 

Nanun- hatte sie sich schon wieder getäuscht oder hatte nun auch der Schneeschneemann im Vorgarten mit dem Auge gezwinkert? Das könnte nicht sein, denn er ist ja nur aus Schnee.

 

Der Schneemann stand im Garten bis es Weihnachten war, bis es Januar war, bis der kalte Februar uns zittern ließ und bis eines Tages wieder die Sonne schien.

Anna liebte den Frühling, weil Alles bunt wurde. Sie konnte auch wieder ihr Lieblingskleidchen anziehen und auch Ihre Schuhe, die sie sich selbst ausgesucht hatte.

 

Doch eines morgens bemerkte sie, dass ihr Freund der Schneemann immer kleiner wurde und als sie ein paar Tage später nach Hause kam, war er verschwunden. Sie suchte ihn überall- sie konnte ihn aber nicht finden.

Traurig dachte sie nach. War sie böse zu ihm oder tat sie etwas Schlechtes???? Warum war er nur weggegangen?? Sie hatte gedacht, dass er ein richtiger Freund sei und für immer bei ihr bleiben würde. Sollte sie ihn für immer vergessen müssen?

 

Der Frühling kam und Anna bekam zum Geburtstag ein Fahrrad. Es war pinkfarbend und die Speichen glänzten in der Sonne. So ein Fahrrad hatte sie sich schon immer gewünscht. Auch ein bunter Helm war dabei und Knieschützer. Schnell konnte sie damit schon ohne Stützräder fahren. Doch eines Tages- sie fuhr schnell wie der Wind die kleine Straße entlang- da lag plötzlich ein großer Stein auf dem Weg. Das Fahrrad ließ sich nichtmehr anhalten und fuhr gegen den Stein. Anna fiel zu Boden und----- man glaubt es kaum- landete sanft und weich auf einem Haufen Gras, dass der Nachbar gerade gemäht und aufgeschichtet hatte. Glück gehabt, nicht einmal eine kleine Schramme. Anna dachte: „War das ein Schutzengel?“

 

Im Sommer schien die Sonne heiß und alle waren im Stadtbad. Die Kinder tobten und tollten im Wasser. Die kleine Anna stand am Beckenrand und sah zu, wie die großen Kinder im tiefen Wasser schwammen. Sie konnte noch nicht schwimmen und hatte ein wenig Angst vor dem tiefen Wasser. Plötzlich rannte der freche Otto vorbei, streifte Anna sodass sie sich nichtmehr halten konnte. Sie fiel ins tiefe ….------in Vickis kunterbuntes Gummiboot, dass gerade vorbeitrieb. Ohh- Glück gehabt. Sie dachte so bei sich: „War das ein Schutzengel?“.

 

 

Es wurde Herbst und die bunten Blätter fielen von den Bäumen. Ein stürmischer Wind fegte durch den Park. Anna hatte sich einen Drachen gebastelt und ließ ihn endlich steigen. Sie stand unter einen großen Kastanienbaum und hatte die Drachenschnur in der Hand. Der Drachen tänzelte fröhlich in der Luft hin und her. Plötzlich kam eine starke Windböe und erfasste den Drachen. Der ruckte an der Leine und zog die kleine Anna ein Stück hinter sich her. Sie konnte sich gerade so auf den Beinen halten. Auf einmal vernahm sie ein lautes krachen und ein dicker, trockener Ast brach vom Baum und fiel genau auf die Stelle, wo sie noch eben gerade gestanden hatte. „Glück gehabt“, dachte sie „War das auch dieses Mal ein Schutzengel???“

 

 

Der Herbst ging zu ende und die Weihnachtszeit läutete den Winter ein. Wieder erwartete die kleine Anna sehnsüchtig den ersten Schnee. Als der endlich die ganze Welt verzuckert hatte, konnte Anna auch wieder rodeln, Schneeballschlachten machen und natürlich im Vorgarten einen Schneemann bauen. Als sie ihn fertig hatte sah sie ihn an und es war, als würde er ihr zuzwinkern.

 

„Warum bist du weg gegangen?“ fragte sie den Schneemann, „ich habe gedacht, du wärst mein Freund.“

 

Plötzlich antwortete der Schneemann: „Ich war nicht weg. Die Sonne hatte mich nur geschmolzen und mich hoch in die Wolken geschickt- da, wo es kalt ist. Nur in der Kälte können wir Schneemänner leben, genau wie die Eisbären und Pinguine, die im ewigem Eis zu Hause sind. Von den Wolken aus habe ich über dich gewacht.

 

 

Weist du noch, wie du mit deinem Fahrrad fielst? Ich habe für das weiche Gras gesorgt, sodass du weich und sanft fällst, und im Stadtbad- weist du noch, ich habe Vickis buntes Gummiboot zu dir getrieben, dass du nicht ins tiefe Wasser fällst und dann im Stadtpark? Ich habe den Wind geschickt, dass der Drachen dich vor dem abgebrochenen Ast retten konnte.“

 

„ohhh“ sagte Anna „Du warst mein Schutzengel, wie kann ich dafür sorgen, dass du immer mein Freund bleibst?“

 

Der Schneemann sagte: „Du brauchst mich nur jedes Jahr zur Winterzeit neu erschaffen. Solange du das tust, werde ich in allen Jahreszeiten bei dir bleiben, dich beschützen und dir heimliche Wünsche erfüllen.“

 

 

Als die kleine Anna abends in ihrem Zimmer saß und auf ihre Figuren sah, die sie im letzen Jahr im Kindergarten gebastelt hatte dachte sie, „Ich werde den Schneemann wohl zu Weihnachten verschenken. Er soll jemand Anderem Freude und Glück bringen. Ich brauche ihn nicht mehr, denn ich habe ja einen echten Schneemann zum Freund.

 

Das Weihnachtsverspechen

von Torsten Nicolai

 

 

Die kleine Ronja ging in der Weihnachtszeit so oft wie möglich auf den Weihnachtsmarkt, denn da duftete es nach Gebäck und Süßigkeiten, man konnte Karussell fahren und so richtig toll naschen. Immer hoffte sie, endlich mal den Weihnachtsmann zu treffen, um Ihm von ihrem langem Wunsch zu erzählen. Wenn sie zwischen den Buden umher schlenderte, hielt sie stets Ausschau nach ihm. An einem Sonntag- Ronjas, Eltern hatten an diesem Tag den Weihnachtsbaum geschmückt- ging die ganze Familie zum Abschluss des Tages zum Weihnachtsmarkt um noch ein paar schöne Sachen für Ronjas Zimmer zu suchen, denn ihr Zimmer sollte auch weihnachtlich aussehen. Gerade als sie ein paar hübsche Glasfiguren gefunden hatten, stand plötzlich ein großer, bärtiger Mann neben ihr. Er hatte einen roten Mantel an und fragte mit einer grollenden, tiefen- aber gütigen Stimme: „Na Ronja freust du dich schon auf den Weihnachtsabend ?“.

 

Woher kannte er ihren Namen? ------ Natürlich--- Ronja erschrak kurz und dann wußte sie- es war der Weihnachtsmann.

„Warum so schreckhaft?“ fragte er „Du hast mir noch gar nicht deinen Wunsch gesagt“.

Ronja sagte: „Entschuldige bitte- ich habe mich vor deiner tiefen Stimme erschrocken- jedoch weis ich, dass ein Weihnachtsmann vom vielen Reden nun mal eine raue Stimme hat.“

 

Der Weihnachtsmann beugte sich zu ihr herunter und fragte sie mit einer nunmehr witzigen Stimme: „Na und- hast du einen Wunsch, den ich dir erfüllen kann?“

 

Da leuchteten Ronjas Augen auf: „Jaaaaa- ich wünsche mir schon sehr, sehr lange einen Hund als Freund.“

 

Der Weihnachtsmann stand auf, kratzte sich am Kopf, hielt den Zeigefinger an seine Mund und sprach mit nachdenklicher Stimme:

 

„Na ja- das mit dem Hund ist da so eine Sache. Ich musste zu oft sehen, dass- wenn die Weihnachtszeit vorbei war- der Freund,also ein Hund oder ein anderes Tier, plötzlich nicht mehr das Wichtigste war, sondern andere Sachen. Viel zu oft musste ich sehen, wir so ein kleiner Weggefährte vergessen wurde und am Ende in einem Tierheim gelandet war.

 

Wie kann ich sicher sein, dass es bei dir anders ist und du deinem Hund ein Leben lang auch ein richtiger Freund sein wirst?“

 

„Ich weis“ sagte Ronja das ich anders bin „Ich werde dir es einfach versprechen, denn ein Versprechen muss man halten.“

 

Der Weihnachtsmann kniete vor ihr nieder, nahm ihre Hand und führte sie an sein Herz.

„Gut“- sprach er „Bei des Weihnachtsmannes Herzen- versprich es mir“

 

„Ich verspreche es“ für meinen Hund werde ich immer sorgen ,sagte Ronja laut und bestimmt.

 

Der Weihnachtsmann richtete sich langsam auf, zwinkerte ihr zu und ging langsam seiner Wege, drehte sich noch einmal um und sagte: „Versprochen“.??

 

Versprochen....sagte Ronja mutig

 

Die Zeit bis zum heiligen Abend verging sehr, sehr langsam. Das ist immer so- kurz vor Weihnachten. Aber dann war es soweit. Am Weihnachtsabend gingen Alle nach dem Caffee raus um zu rodeln oder im Schnee zu toben. Durch gefrohren kamen sie zurück, zogen sich feierlich an und betraten das Wohnzimmer, wo der Tannenbaum in schönster Pracht glänzte.

 

Und da- was war das? - lauter festlich verpachte Pakete lagen unterm Baum- der Weihnachtsmann war da!!!!!!!!!!!!!

 

Voller Spannung sah die ganze Familie auf die Gaben .Jeder war auf seine Weihnachtsüberraschung gespannt.

 

Ronja erinnerte sich an ihre Begegnung mit dem Weihnachtsmann und überlegte.....könnte man einen Hund in ein Päckchen packen?

 

Doch plötzlich wurden Alle still. Ein leises Winseln kam irgendwo her- so ein piepsen oder so. Ronja kroch unter den Baum und sah ein Körbchen, in dem ein kleines, weißes Wollkneul lag.

 

„Das ist- das ist“. Ihr fehlte die Worte. Der Weihnachtsmann hatte sein Versprechen gehalten.

 

Der kleine Hund kam es auf sie an. Jetzt musste auch sie ihr Versprechen halten.

 

Die Freude war riiiiiiiiiiiiiiesen groß. Ein kleines Hündchen mit weißem Fell und lustigen roten Ohren war plötzlich in die Familie gekommen. Sofort war er der Mittelpunkt und Alle wollten ihn in den Armen halten.

 

 

 

 

 

 

In der Nacht schlief Ronja unruhig. Zum Einen war da das kleine Hündchen von dessen nur kleinstem Geräusch sie ständig erwachte und zum Anderem musste sie immer zu an das Versprechen denken, dass sie ja dem Weihnachtsmann an dessen Herz gegeben hatte.

Es bedeutete das sie ab jetzt eine grosse Verantwortung hatte.

 

Die Tage, Wochen und Monate gingen ins Land und jeden Tag hatte Ronja für ihren Hund gesorgt. Sie ging mit ihm in den Wald, gab ihm zu fressen, sorgte für immer frisches Wasser und selbst, wenn sie zur Schule musste, kam Omi und passte auf ihn auf. Das Hündchen wurde von Tag zu Tag größer und wuchs so schnell, dass es Ronja erst bis zum Knie und schon eine Woche später schon bis zum Oberschenkel ging.

 

Im Hof hatte Ronjas Vater eine Hundehütte gebaut. Stolz zeigte Ronja ihrem Hund sein neues zu Hause. Der aber schnüffelte kurz an der Hütte ,hob sein Beinchen und trollte sich ganz schnell in sein Körbchen. Er wollte nicht allein im Hof schlafen, sondern nur bei Ronja sein.

 

Als sie mit ihren Eltern zur Omi fuhren, musste der Hund allein zu Hause bleiben, weil er schon zu groß für Papis kleines Auto war. Als sie zurück kamen, lagen alle Couchecken und Kissen im Wohnzimmer umher und der Hund kam ihnen ganz außer sich entgegen. Er hatte Angst und freute sich riesig, dass Ronja wieder da war. Er wollte eben nicht allein sein, sondern nur bei Ronja

Hatte sie ihn zu sehr verwöhnt?

 

 

Irgendwie merkte Ronja und ihre Eltern ,das ihr kleiner Hundefreund nicht mehr so niedlich und artig war .Er machte an manchen Tagen was er so wollte.

Im Park rannte er den Joggern hinterher ,so das sie Angst bekamen.Er bellte den Postbooten an.hörte nicht wenn man ihn rief.......er war ein richtig lümmeliger Hund geworden.

 

 

 

So verging der Frühling und der Sommer und jeden Tag machte der Hund andere Dummheiten. Mal räumte er den Mülleimer aus, mal bellte er die ganze Nacht, dass kein Nachbar schlafen konnte und mal erschreckte er Leute, die am Vorgarten vorbei liefen.

 

Ronja sprach oft mit dem Hund: “Bitte sei doch ein lieber Hund- so wie du warst, als du unter dem Weihnachtsbaum lagst.“

 

Doch der Hund sah sie nur mit großen Augen an, konnte sie jedoch nicht verstehen. „Ach könntest du doch nur mit mir sprechen“, dachte sie so bei sich.

 

Eines Tages kam Mutti mit einem Brief in Ronja,s Zimmer. Sie hatte ein betrübtes Gesicht und seufzte: “Ronja der Hund muss weg. Viele haben sich beschwert und das Ordnungsamt verlangt nun, dass der Hund in ein Tierheim soll.“

 

Ronja erschrak: „In ein Tierheim ????, aber was ist dann mit meinem Versprechen???? Der Weihnachtsmann würde nie wieder mit mir reden und ich hätte mein ganzes Leben lang ein schlechtes Gewissen und- was wäre denn mit ihrem Hund, den sie so sehr ins Herz geschlossen hatte und er auch sicherlich Ronja“

 

Was sollte sie nur tuen?

 

Viele Freunde und Bekannte wollten die Familie von Ronja beraten.Jeder wusste es besser....meinten ,mann müsse den Hund mit einem Stock schlagen....dann würde er hören.....aber das war für Ronja und ihre Eltern eine total falsche Methode.Am Abend konnte Ronja nicht einschlafen und in der Nachts stand sie auf und ging zum Hundekörbchen, in dem der Hund schlief, als könne er kein Wässerchen trüben. Sie streichelte ihn und flüsterte: „Ach könntest du doch nur mit mir sprechen“.

 

Sollte sie ihren besten Freund mit einem Stock schlagen?- Nein- dachte sie- niemals!!!!!!!

 

 

 

 

Dann plötzlich hatte sie eine Idee:

 

Wenn der Hund nicht ihre Sprache verstand, dann müsse sie eben seine lernen.

 

Am nächsten Tag bat sie Mutti mit ihr in den Tierpark zu gehen. Sie wollte kein Eis, sie wollte keine Pizza, nein nicht einmal eine Brause. Sie ging nicht zu den Affen, nicht zu den Elefanten nein- sie hatte nur ein Ziel- das Wolfsgehege.

 

Wölfe sind die Ur, - ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- ur,- Großeltern eines jeden Hundes.Ronja brauchte sie nur zu beobachten, dann würde sie mehr über die Sprache der Hunde erfahren und könnte eines Tages mit ihrem Hund sprechen.

 

Tagelang sah sie den Wölfen zu und schnell bemerkte sie, dass die Geschichten um Isegrimm und die Märchen von Rotkäppchen oder den sieben Geißlein eben nur Märchen waren. Liebevoll leckte die Wölfin ihren kleinen Welpen über den Kopf, wenn sie auf ihre Mutter gehört hatten. Einen Stock hatte die Wölfin nicht .

 

So dachte Ronja: „Ich werde meinen Hund belohnen, wenn er etwas gut gemacht hat.Genau wie Mutter Wölfin. Ich werde ihn streicheln, ihn loben und manchmal ein kleines Leckerli für ihn haben. Nur so wird der lernen, was ich von ihm will und ich werde lernen, was sich mein Hund von mir wünscht.

 

So übten die Beiden jeden Tag das „Nichtbellen“ beim Postboten, das „Nichtanderleineziehen“ beim Jogger, das Ruhigsein bei Nacht“ und noch viele andere Dinge, wie das Warten vor dem Bäcker, das Sitzen und Platz machen vor dem Fressen und das „Nichtbetteln“ am Tisch.

 

Immer wenn der Hund seine Sache gut gemacht hatte, freute sich Ronja und dann durfte der Hund sein Liebstes tuen- das schnüffeln im Wald.

Siehe da- nach ein paar Wochen konnte man merken, dass sich der Hund schon ganz anders verhielt. Er wurde ruhiger, hatte keine Angst mehr vor Fahrrädern und schlief nachts wie ein kleines Engelchen. Ronja brauchte ihn nur anzusehen- und schon wusste sie, dass sie mit ihren Hund in den Park gehen sollte- ihr wisst schon. . . . ..

 

Als der Ordnungsbeamte im September kam um nach dem Hund zu sehen, setze dieser sich vor ihm hin und sah ihn mit großen Augen an. Der Beamte merkte gleich ,der Hund war in die Schule gegangen.Das stimmte ja auch denn Ronja hatte in der ganzen Zeit einen richtigen Tiererzieher an ihrer Seite ,der ihr alle Hundeübungen beibrachte.Der Amtsmann lächelte, nahm den Brief und zerriss ihn.

 

Das ist nun schon einige Jahre her. Ronja ist eine junge Frau geworden . Ihr Hund ist nun schon betagt, aber immer noch ihr bester Freund. Sie geht auch heute noch gern zum Weihnachtsmarkt. Als sie wieder einmal vor der Bude mit den Glasfiguren stand, entdeckte sie ein kleines Glashündchen. Sie wollte es gerade kaufen, da sprach sie eine grollende, tiefe, aber gütige Stimme an , sofort erkannte sie ihren Weihnachtsmann wieder von dem sie sich vor Jahren ihren Hund gewünscht hatte.

 

Er war es.....ihr Weihnachtsmann.

 

„Du hast dein Versprechen gehalten“ sagte er „Ich freue mich sehr darüber“

 

Ronja strahlte. „Danke lieber Weihnachtsmann, dass du mir diesen Hund geschenkt hast.“

 

„Nein“. Sagte der W- Mann: „Ich habe dir nur die Gabe geschenkt, mit Tieren zu sprechen,sie zu verstehen und nicht auf zu geben wenn es mal schwierig wird. Dein Hund ist allein zu dir gekommen, weil er dich wollte und weil er dir bis heute vertraut.

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Die Geschichte von einem 

Recken und seiner Prinzessin

von Torsten Nicolai

 

 

Mit „Es war einmal“ fangen Märchen an, mit Prinzessinen und einem Recken. 

 

Diese Geschichte handelt auch von einem Recken und einer Prinzessin und endet gut- ist aber kein Märchen. Sies ist die wahre Geschichte von einem Recken und einer Prinzessin.

 

 

England- sag` ich euch- ist ein schönes Land. Hier wächst jeeeeede Menge saftiges Gras und es gibt Weiden, die so groß sind, daß man das Ende gar nicht erblicken kann.

 

Ach, hab` ich mich noch garnicht vorgestellt? Mein Name ist Perseus und ich bin ein großer, kräftiger Hengst mit schwarzem Fell und kleinen weißen Flecken und weiße Puscheln an den Beinen- ein „Shire horse“- ein wahrer Recke unter den Pferden.

 

Ich fühlte mich wohl in England und wollte eigentlich nie hier weg. Doch eines Tages kam, was kommen mußte und ich wurde verkauft. Meine neue Herrin war ein junges Mädchen. Sie sah zwar nett aus, aber irgendwie fühlte ich mich nicht wohl bei dem Gedanken, daß uns eine lange Reise nach Deutschland vorbestand.

 

 

Es war Sommer und die Reise war wegen der Hitze sehr beschwehrlich. Nach drei Tagen in einem engen Pferdehänger hatten wir unser Ziel erreicht. Oh ich freute mich, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und rannte sofort los, um frisches Gras zu fressen.

 

Doch die Freude schwand, als ich die Wiese sah, auf der ich aus dem Wagen gestiegen war. Nicht nur, daß es noch viel wärmer war als in England, nein auch die Wiese war nicht grün und saftig sondern braun und trocken. Es hatte im Frühling kaum geregnet und alle Pflanzen waren verdort.

So begnügte ich mich mit dem Rest und knapperte an der Erde umher um wenigstens meinen großen Hunger ein klein wenig kleiner zu machen.

 

Wenn ich mal auf die große Wiese durfte, war ich froh, daß ich ein wenig laufen konnte. Auch die anderen beiden Pferde Prippie und Samira nageten an dem hageren Gras. Wir waren durche einen Zaun getrennt, so daß ich ihnen nur zurufen konnte: „Habt Ihr auch so großen Hunger?“ „Nein“ sagte Prippie, „wir bekommen heute Abend frisches Heu“. 

 

Doch ich mußte zurück auf meine kleine Koppel und da wr nichts als Staub und ein paar trocken Gräser. 

 

Nur mogens und Abends kamen Leute vorbei und ein großer weißer Hund. Sie brachten mir ein paar Möhren und streichelten mich. Auch gab mir die Nachbarsfrau Wasser, so daß ich meinen Durst stillen konnte. Ansonsten stand ich da- einfach nur so da. Manchmal träumte ich davon, daß jemand auf meinem Rücken saß und mit mir durch Wald und Feld ritt- aber ich träumte nur.

 

Es kam der Herbst und der Staub auf meiner Koppel verwandellte sich in Matsch. Zwar wuchsen wieder ein paar Gräser, aber die hatte ich schnell abgefressen. In der anderen Ecke lagen meine Pferdeäpfel auf dem Boden und niemand brachte sie weg. Das Heu, daß mir meine Herrin gebracht hatte, war inzwischen schon Schwarz geworden und Schimmel moderte zwischen den Halmen.

Ich war schon schwach und zu allem Unheil bekam ich noch einen fürterlichen Husten.

 

Als der Winter kam und der Regen vom Wind übers Land gepeitscht wurde, konnte ich mich nicht vor ihm verstecken, denn es gab kein Dach- nicht einmal eine Hecke, hinter der man Schutz finden konnte. Der Husten ging und ging nicht weg.

 

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Eines Tages hielt ein Auto vor meiner Koppel und heraus stiegen ein Mädchen mit langem, schwarzenem Haar und ein kleiner Hund. Ich traute meinen Augen kaum. Sie hatten große Säcke ausgeladen, in dem Hafer war. Das Mädchen schüttete mein Trog voll, striegelte mein Fell, fegte die Pferdeäpfel zusammen und brachte sie fort. 

Nun- ich wußte, daß es kein Märchen sein kann, aber sie hatte zwar kein Kleid wie eine Fee und auch keine Flügel wie eine Fee, war aber hübsch wie eine Fee und sie tat mir gutes wie eine Fee. Vielleicht war sie ja auch eine Fee.

 

Da kamen auch die beiden Leute mit dem weißen Hund und sie spachen mit dem Mädchen. Da spach der kleine Hund zu mir: „Hey Perseus, deine Herrin hat meinem Frauchen gestattet, sich um dich zu kümmern und ein wenig für dich zu sorgen. Wir werden von fort an öfter zu dir kommen und die Futter bringen.

 

Doch der Winter war gnadenlos und der feuchte Boden hatte die Haut an meinen Beine entzündtet. Ich hatte sie schon mit meinen Hufen wund geschuppert und sie taten schrecklich weh.

 

In der Silvesternacht gab es ein lautes geknalle und ich hatte fürchterliche Angst. Doch da kamen die Leute mit dem weißen Hund und beruhigten mich. Der Hund sagte: „Wir werden nicht wie die anderen feiern, sondern kommen jede halbe Stunde zu dir, daß du dich nicht fürchtest. 

 

Am Morgen war alles überstanden und es wurde ruhig. Alle Menschen lagen in ihren Betten und ich versuchte ein wenig zu schlafen.

 

Im Januar wurde es noch kälter und ich hatte den schwehren Husten und die schmezenden Beine satt, sodaß ich mir wünschte heute Abend einzuschlafen um nie wieder zu erwachen.

 

Doch am nächsten Tag kamen viele fremde Menschen auf meine Koppel. Nicht nur meine Herrin war unter ihnen, nein auch eine Tierärztin. Sie sah mich von vorn bis hinten an und sprach dann zu meiner Herrin: „Ich bestimme, daß ein Unterstand gebaut wird, frisches Heu und Hafer ausreichend gefüttert wird, daß die Wunden und der Husten behandelt werden und die Pferdeäpfel täglich verschwinden, sonst verbiete ich der Herrin jemals wieder ein Tier ihr Eigen zu nennen“!

 

So geschahr es, daß alles so eintrat, wie die Ärztin es bestimmt hatte, denn sie war von einem hohen Amt.

 

Das ging auch ein paar Wochen gut bis meine Herrin merkte, daß sie keine Zeit für mich hatte. Da beschloß sie, mich wieder zu verkaufen. Nicht schlimm dachte ich, es kann ja nur besser werden. Doch mein neuer Besitzer merke schnell, daß ich sehr krank war und wollte mich nicht mehr und eh ich mich versah, stand ich wieder in einem Pferdehänger. 

 

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Dieses mal hatte ich mehr Glück. Ich kam auf eine Koppel mit richtigem Gras und andere Pferde und Hunde waren auch da. Ich fragte ein kleine Hündchen: „ Wo bin ich hier?“

 

Das Hündchen sagte: „Hier sind Menschen, die sich um allein gelassene Tiere kümmern und ihnen ein zu Hause geben wollen. Ein richtiger Tierarzt ist auch hier.“

 

In den nächsten Tagen wurde ich untersucht und ich bekam eine Medizin. Sie schmeckte bitter, aber schon nach drei Tagen merkte ich, daß mei Husten nach ließ und die Salbe an meinen Beine tat wohl.

 

Nanu, da war doch auch das Mädchen oder besser die gute Fee mit dem kleinen Hund, die mir schon damals Hafer brachte. Sie half den Leuten hier bei der Arbeit, fütterte die Tiere, mistete die Ställe aus und führte die Pferde zur Koppel. Sie tat es, daß der Tierazt sich um die kranken Tiere kömmern konnte. Nun war ich mir sicher, sie mußte eine gute Fee sein.

Der kleine Hund sagte: “Ihr und den vielen anderen Menschen ist es geschuldet, daß sich endlich jemand um deine Wunden kümmen kann.“

Das hatte ich mir schon irgendwie gedacht und ich freute mich, meine Fee wieder zu sehen.

 

Das Jahr verging und ich war wieder stark wie es ein Recke sein muß und fast gesund. Nur eine Wunde wollte und wollte nicht heilen- die in meinem Herzen. Auch wenn sich alle um mich bemühten- ich war doch ein Weisenkind.

 

 

 

Nun kam wieder die Weihnachtszeit und ich erinnerte mich an das vergangene Jahr. Traurig sah ich in die Ferne. 

 

Da plötzlich stand ein Mädchen mit roten Zöpfen am Koppelzaun und sah mich mit großen leuchtenen Augen an. Mir wurde warm, obwohl es doch Dezember war. Doch die Wärme kam nicht von der Sonne, sie kam aus meinem Herzen. 

 

Ich lief auf sie zu und wie man es von einem Weihnachtswunder kennt, war uns beiden, als würden wir uns schon viele Jahre kennen.

 

Am nächsten Tag- ich vermochte es nicht zu glauben- stand wieder ein Pferdehänger an der Koppel und ich fühlte, daß dieses mal alle anders werden wird. In dem großen Auto vor dem Anhänger saß ein kräftiger Mann und das Mädchen mit den roten Zöpfen und den leuchtenen Augen. 

 

Wir fuhren ein paar Stunden und dieses mal war ich ruhig- ganz ruhig. Als wir endlich ausstiegen führte mich das Mädchen einen Weg entlang, vorbei an Koppeln mit weißen Zäunen und jede Menge Pferde. Auch Hunde liefen überall umher, es gab einen großen Stall mit viel frischem Heu, eine große Halle zum toben und- ja auch ein richtiges Schloß. Da wußte ich es- sie mußte eine Prinzessin sein, denn sie sah mich an wie eine Prinzessin, sie saß in meinem Sattel wie eine Prinzessin und sie berührte mich wie Prinzessin und langsam fühlte ich, wie auch meine letzte Wunde zu heilen begann- die in meinem Herzen.

 

 

 

In den nächsten Tagen und Wochen übten wir zusammen das Laufen, das Traben, den Galob und schon nach 3 Wochen konnten wir beide über Wiesen und Felder reiten.

 

 

 

Stolz knipste meine Prinzessin viele, viele Bilder von mir und sante sie in die Welt hinaus. So kam es, daß auch die Menschen, die mir halfen von meinem Glück erfuhren. Sie schrieben uns, daß sie glücklich sind, mich so gesund und stolz zu wissen und daß es ihnen das schönste Weihnachtsgeschenk sei.

 

Nur die Fee mit den langen schwarzen Haaren habe ich nie mehr gesehen. So laßt mich es glauben, daß sie eine richtige Fee ist. Denn wenn man in Not ist, erscheinen die Feen und wenn man sich nicht mehr braucht, dann verschwinden sie. So ist es eben nur in einem Märchen oder- ?

 

 

Wie diese Geschichte endet vermag ich nicht zu sagen, denn ich hoffe, sie wird noch lange fortwären. Sie ist jedoch nun eine Geschichte von einem Recken und einer Prinzessin.

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